Dieses Wochenende war es endlich so weit. Kunigunde ging mit ihrem neuen Freund weg. Eine Veranstaltung. Eine kinky Party. In Leipzig. “Ich war noch nie auf einer kinky Party, was soll ich nur anziehen?” sie war so aufgeregt. Sie hüpfte die ganze Zeit vor mir auf und ab wie ein kleines Kind. Schon lag ein ganzer Stapel Klamotten auf dem Bett, und ein Meer an Kleidung breitete sich auf dem Boden aus. Immer wieder riss sie den Schrank auf, und holte was anderes heraus: “ist das kinky genug?” und “ich bin zu dick dafür” und “die anderen sind viel dünner als ich” und dann platzte sie einfach so heraus: “T sieht so unglaublich aus. Und seit Wochen kauft er Sachen. Ich stink da voll ab. “
Als seine Klamotten da waren, rief er sie sofort an und wollte ihre Meinung zu seinem Outfit. “Er zog die Lederhose aus der Tasche, und plötzlich roch die ganze Luft nach Leder. Ich glaube, ich habe einen Lederfetisch” sagt sie, und ihre Pupillen weiten sich. Natürlich bin ich neugierig. Also frage ich nach. “Wir haben gefickt. Es war unglaublich. Wir haben Dinge gemacht, die haben wir noch nie gemacht.”
Also stand zumindest sein Outfit. “Und was ziehst Du jetzt an?” frage ich sie unschuldig. Sie zieht einen Schmollmund. “Ich denke, das entscheide ich kurzfristig.” Ja, so ist sie die Kunigunde. Klamottentechnisch eher der spontane Typ. “Ich bin halt keine Frau” sagt sie immer. Und es kam, wie es kommen musste. Kunigunde lud T zu sich ein, um die Klamotten für die Kinky auszusuchen. Aber er hatte bereits etwas für sie gekauft. Irgendwas mit Netz und Ganzkörper “mit ohne Titten” lachte sie.
Und dann war es so weit. Sie musste packen. Wieder wuselte sie rum und fluchte, und war entsetzlich nervös. “Alle anderen sehen viel besser aus als ich. Was ist, wenn wir nicht reinkommen? Wenn das mit dem Ticket nicht klappt? Wenn ich ihm nicht gefalle? Wenn er sich nicht wohl fühlt?” Diese kleine, wunderbare Frau war so voller Zweifel und null Selbstvertrauen. Ich verstehe immer noch nicht warum. Sie hat eine unglaubliche Ausstrahlung. Und T liebt sie. Das sieht man. Wie er sie ansieht. Er trägt sie auf Händen. Aber Kunigunde sieht das nicht. Sie ist so voller Selbstzweifel, dass sie seinen verliebten Blick nicht bemerkt.
Anders als im Urlaub packte sie für eine ganze Woche ein. Socken, T-Shirts, Unterwäsche, Wechselwäsche, Strümpfe, Schuhe, Schlafshirt……….an alles hatte sie gedacht. Trotzdem schaffte sie es, nur eine Tasche zu packen. Ich glaube, wir haben den ganzen Samstag telefoniert, so aufgeregt war sie. “Aber als T kam, war ich cool. Er war Freitag auf Samstag bei mir geblieben. Wir hatten eine wunderschöne Nacht. Irgendwie kamen wir überhaupt nicht aus den Federn. T wuselte, und ich habe wie immer seinen ganzen Plan durcheinandergeworfen.” Sie sind wirklich total unterschiedlich. Obwohl, wenn man die beiden so sieht, ist es spannend zu sehen: wenn er zu wenig Schlaf hat, ist er hibbelig und redet viel. Sie dagegen ist total müde, schmusig, zerstreut. Also tauschen sie quasi die Rollen. Und plötzlich wird klar: ja, die beiden passen zusammen. Sind eben wie Ying und Yang. Aber sorry, ich schweife ab. Ich wollte ja von Kunigunde und T und dem Trip nach Leipzig erzählen.
“Laut Navi sollten wir erst gegen 18:30 Uhr ankommen. T war schon total genervt, denn er wollte um 18 Uhr schon dort sein. Ich war genervt, weil er genervt war. Ich denke, wir waren beide ziemlich aufgeregt.” Es kam, wie es kommen musste, sie zickten sich an. Trotzdem bekamen sie es hin, dass sich keiner auf den Schlips getreten fühlte, denn jeder wusste, wie es dem anderen ging. Natürlich verfuhren sie sich in Leipzig. Schreckliche Stadt. Überall Baustellen und erschreckend viel Leerstand.
Sie parkten in einem Parkhaus in der Nähe, da das Hotel keinen Parkplatz hatte. T war schweißgebadet. “So enge Kurven, wer schafft denn sowas? Haben die alle Smarts?” Als sie endlich im Hotel waren, duschten sie, zogen sich um, und waren wieder ein Herz und eine Seele. Sie beschlossen sich auf dem Event umzuziehen. Dann ging es los. Natürlich verfuhren sie sich wieder. “Wir hassen diese kack Stadt!” sagen sie beide wie aus einem Mund. Irgendwie süß, wie sie so bei mir auf der Couch sitzen, Händchen halten, und über eine Veranstaltung reden, die für ihn die erste dieser Art war, für sie quasi Alltag.
“Als wir ankamen, liefen wir an ein paar Leuten vorbei, die sich am Auto umzogen. Wie irre ist das denn?” T strahlt über beide Ohren. “Ich habe so gehofft, dass sie sich nicht wegen mir schämt. Erwartet habe ich nichts von dem Event. Ich wollte das einfach so auf mich zukommen lassen. Je weniger du erwartest, desto mehr kann man sich freuen, und ist nicht so enttäuscht.” Am Eingang stand eine wunderschöne Frau, die eigentlich nur dazu diente die Leute zu begrüßen. Als sie das erste Hindernis überwunden hatten, tat sich ein neues auf: Kunigunde hatte das Ticket gewonnen, aber der Ausdruck war falsch. Also wurde der Chef gerufen. Aber sie stand nicht auf der Gästeliste. T hatte sein Ticket gekauft, deshalb hatte er sein Bändchen schon. Zum Glück konnten die Unklarheiten beseitigt werden, und auch Kunigunde bekam ihr Bändchen.
Die Garderobe wurde von einem “Einhorn-Pärchen” gemacht. Ein bärtiger Mann mit Glitzer und unglaublichen Wimpern und wahnsinnig viel Glitzer. Sein weibliches Pendant war genauso geschminkt, und hatte das gleiche Outfit. Ein großmaschiges, regenbogenfarbiges Kleidchen und ein Horn komplettierten das Ganze. Die Umkleide dagegen war ganz schön wackelig. Kunigunde hätte fast die ganze Kabine eingerissen, so wackelte die kleine Frau rum. Heraus kam sie dann nicht im Netzoverall, sondern in Lederimitatmini und Strapsen. Der Blick von T sagte alles. Sie war so unsicher gewesen, als sie sich im Auto geschminkt hatte. Ich kenne Kunigunde schon ewig. Ich habe sie noch nie mit Schminke gesehen. Nicht mal bei einem Date. “Ich bin eben keine Frau. Ich mag das nicht.” Aber ihm zuliebe wollte sie es nochmal versuchen.
Knallrote Lippen, Wimperntusche und Kajal. Nichts Besonderes. Und auch jetzt noch, legt er liebevoll seinen Arm um sie, und zieht sie an sich. “Du hast unglaublich ausgesehen Baby.” Mit einem verlieben Augenaufschlag blickt sie zu ihm hoch. “Danke” Und diese Beiden sind so ein wunderschönes Paar.
Als beide umgezogen waren, begannen sie erstmal die Location zu inspizieren. “Ich denke normalerweise ist es ein Abenteuerspielplatz oder so” sagt T. Der ganze Boden war mit Sand bedeckt. Für Stöckelschuhe der Tod. Zum Glück hatte sich Kunigunde im letzten Moment noch anders entschieden. Sie fühlte sich wohl, er platzte vor Stolz an ihrer Seite. So viele schillernde Menschen. Schwarz, Lack, Leder, bunt, Männer in Frauenkleidern, Frauen mit einem Hauch von nichts… “Du hättest das locker tragen können, das wäre überhaupt nicht aufgefallen” wirft T ein. “Ich hätte mich aber in dem Netzteil nicht wohl gefühlt. Fast nackt. Und fett” “Du bist nicht dick. Und es waren genug Frauen da, die dicker oder genauso dick waren wie du”. Es ist so wunderschön den beiden zuzusehen.
Sie sahen sich zusammen einen Fesselworkshop an. Sehr experimentelle Musik. Selbstgemacht. Aber doch recht cool. Beide waren begeistert. Als sie sich hinsetzen, T einen Kaffee holt, kommen ein paar Leute an Kunigundes Tisch. Und plötzlich sitzen da ein Schwein, eine Maid, eine Domina und ein Typ mit Brustharnisch. Sie lachen und verstehen sich auf Anhieb. Als T zurückkommt, ist er erstaunt, wie schnell seine Freundin neue Kontakte knüpft. Gerade haben sie sich noch unterhalten, dass es schön wäre mit einer ganzen Gruppe hier zu sein, schwupp! Schon sitzen Menschen zusammen, die eine Gemeinsamkeit haben: sexuelle Freiheit.
“Endlich mal normale Menschen” sind sich alle einig. Die Maid hat ein Handycap, aber das stört niemanden. Alle behandeln ihn als wäre er genauso “Normal” wie alle anderen. Warum auch nicht? Sie haben den gleichen Humor, das gleiche Ziel. T fühlt sich sau wohl. Auch wenn er überrascht über diese Vielfalt ist. Genauso wie Kunigunde damals, ist er begeistert von den vielen unterschiedlichen Menschen, die zusammen dieses Event unvergesslich machen. Man tanzt zusammen, trinkt zusammen, lacht, unterhält sich. Diversität? Was soll das sein? Sind wir nicht alle gleich? So unterschiedlich wie Kunigunde und T nach außen hin sind, so Passig sind sie. “Ihr habt euch bestimmt bei einem völlig normalen Date kennengelernt, oder?” fragt der Typ im Harnisch. “Nein im Pornokino” platzt Kunigunde heraus. Alle gucken überrascht. Hätte keiner von diesem stillen, unscheinbaren Typ gedacht. Tja, man sieht es den Leuten halt nicht immer an. Kunigunde strahlt vor Besitzerstolz, und T guckt seine wunderschöne Frau verliebt an.
Als es kälter wird, beschließt die Gruppe tanzen zu gehen. Nach Technobeats hüpfen sie wie kleine Kinder auf der Tanzfläche herum. Auch T trotz kaputten Knies. “Ich tanze nie. Ist also nur für dich eine Ausnahme.” “Und es hat super gepasst. Ich habe mich noch nie mit einem Mann so koordiniert bewegt.” Was für ein energetisches Paar. So süß. Aber leider nicht genug Zeit zu bleiben. “Wieviel Uhr ist es?” denn Kunigunde muss am nächsten Tag um 11 Uhr arbeiten. “Weit nach Mitternacht” Verdammt. Und so endet es.
Während sich Kunigunde im Auto auszieht, steht T davor und sieht seiner Geliebten dabei zu. Sie schminkt sich im Auto ab, während er fährt. Harmonisch, als wäre es nie anders gewesen. Im Hotel wieder duschen. Und dann kommt, was kommen muss. Sie haben Menschen fesseln und ficken sehen. Sie haben die Lust gerochen und die Erotik gespürt. Überall sexpositive Menschen. Frisch geduscht vielen die Beiden dann übereinander her. Und es wurde immer später.
Drei Stunden später klingelte Kunigundes Wecker. “Ich bin zu alt für den Scheiß” trotzdem würden Beide das jederzeit wieder machen. Und sie freuen sich wie kleine Kinder auf das nächste Event.
Fazit von der Kinky On in Leipzig: Unglaubliche Location. Wundervolle Menschen. Geile, schweißtreibende Beats, mehrere Räume mit unterschiedlichen DJs, viele Rückzugsmöglichkeiten, Fotobox, Candy Bar, humane Preise. Bestimmt noch viel mehr, jedoch haben die Beiden nicht alles gesehen. Absolut empfehlenswert. Auch für Neulinge geeignet. Man kommt super schnell ins Gespräch. Die Menschen sind sehr tolerant. Überall stehen Schilder, dass man jeden so nehmen soll wie er ist. Man fühlt sich sofort willkommen und angenommen. Es spielt keine Rolle, ob man ein Dirty Pig, eine gehandicapte Maid, oder ein Normalo ist.
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