Was ist das nur für ein seltsamer Trend neuerdings. Nicht nur, dass Männer alle Rechte haben, mehr verdienen, sich Sex einfach so nehmen können, und auch in Clubs oder Kinos sehr unverschämt den Sex und Körperkontakt einfordern, sondern jetzt wird auch noch teils ungefragt eine Frau schamlos besamt.
Früher war alles besser? Ja, das glaube ich langsam auch. Natürlich gab es Krankheiten. Aber man hatte da mehr Respekt und Angst davor. Chlamydien, Tripper und AIDS waren allgegenwärtig und sowas wollte man auf alle Fälle vermeiden zu bekommen. Mittlerweile gibt es Spritzen gegen sexuell übertragbare Krankheiten, das Gesundheitsamt bietet kostenlose Tests an, aber trotzdem bleibt bei mir immer noch das Staunen.
Warum soll ich als Frau mich dieser Gefahr aussetzen, nur damit der Mann „mehr spürt“? Es macht für mich persönlich keinen Unterschied, ob er ein Kondom trägt oder nicht. Ja, der Vorgang des Überziehens kann für Männer schwierig sein. Jedoch bin ich geübt genug, um selbst das Präservativ über den erigierten Penis zu ziehen. Gern bin ich auch bereit, diesen Vorgang mit einem Blowjob zu begleiten. Was ich jedoch nicht verstehe, sind Männer, die sich dem Unterfangen komplett verweigern.
Haben die keine Angst sich anzustecken? Waren die noch nie krank? Selbst mit Schnupfen kann Mann sich anstecken, wenn die Frau eine Erkältung hat, und man sie leckt. Was glauben die Kerle, was da Sperma im Mund einer Frau anrichten kann. Ganz zu schweigen von einem ungewaschenen Schwanz.
Ich bin immer wieder schockiert, dass so viele Frauen das mit sich machen lassen. Dieses Privileg sollte nur eine Person des Vertrauens haben. Das kann ich aber nur zu jemand haben, wo ich weiß, dass ich die Einzige bin, mit der er so fickt. Wenn ich mir nicht sicher sein kann, ob er sich immer unter Kontrolle hält, dann schwingt immer die Angst mit.
Also warum soll ich mir als Frau das antun, und ihm den Gefallen tun? Selbst wenn ich ihm dieses Privileg einräume, tut er das mit mir denn auch? Was habe ich davon? Mein Problem ist noch dazu: ich habe keine feste Beziehung. Keinen festen Sexualpartner. Also wem möchte ich dieses Recht einräumen.
Recht. Das ist auch so ein Wort, das in diesem Zusammenhang wirklich schwierig ist. Recht ist die Gesamtheit verbindlicher Regeln und Normen, die das Zusammenleben in einer Gesellschaft ordnen, Konflikte lösen und vom Staat durchgesetzt werden. Es dient der Gerechtigkeit und schafft Sicherheit. Man unterscheidet objektives Recht (Rechtsordnung) und subjektive Rechte (individuelle Befugnisse)
So, und jetzt wird es spannend. Laut §177 StGB ist sexueller Missbrauch strafbar. Dann gibt es da noch §185 StGB der tätlichen Beleidigung, wo es um anspucken geht. Im BDSM üblich, und auch bei vielen Männern gehört das mittlerweile zum Sex dazu. Genauso wie eine Ohrfeige, oder der Frau ungefragt den Schwanz in die Hand zu legen beim GB, bzw. ihr denselben sogar ins Gesicht zu halten oder gar in den Mund zu stecken. Was ganz schnell zu §223 StGB Körperverletzung führen kann. ABER und da wird es jetzt interessant, es ist Auslegungssache. Wer sagt denn, dass eine Frau, die sich auf einer Liegefläche in einem Club in der Mitte des Raumes räkelt, nicht sexuell belästigt werden möchte? Ab wann beginnt diese Belästigung?
In letzter Zeit lese ich immer mehr Artikel und sehe Postings, wo genau diese Thematik behandelt wird. Auf meiner Arbeit erlebe ich es ebenfalls jeden Tag. Frauen, die sexuell freizügig sind, werden genötigt, angegrapscht, und im schlimmsten Fall sogar einfach „genommen“. Weil sie das ja so möchten. Schließlich ist man genau zu diesem Zweck in das Etablissement gekommen, und die Betreiber forcieren das auch noch.
Männer nehmen sich die Freiheit heraus, diese Frauen anzufassen, ihr ungefragt sexuelle Handlungen anzutun und müssen sich nicht rechtfertigen. Denn alle umstehenden Männer sind genau ihrer Meinung. „Die Schlampe da auf dem Bett hat es nötig. Also geben wir ihr, was sie will, so hart wie sie es verdient.“ Zurück bleibt eine geschändete Frau, überall aufgerissene Kondomverpackungen und benutzte Kondome.
Natürlich muss Frau auch das wegräumen. Ist doch ihre Pflicht, sonst sieht es danach nicht mehr ordentlich aus. Wieder einmal drücken sich die Männer aus der Verantwortung. Wie oft wurde ich schon gefragt, wenn eine Affäre länger dauerte, ob man nicht auf das Gummi verzichten könnte, da man sich doch kennt, und das Gefühl viel besser wäre. In den seltensten Fällen wurde ich in diesem Zusammenhang nach Verhütung gefragt. Immer mit der Verabschiedung: „und immer schön gesund bleiben“.
In der Presse werden immer mehr Stimmen von Frauen laut, die genau das anprangern. Männer wollen immer mehr haben, sind aber nicht bereit mehr zu geben. So fühlt sich jede Frau irgendwann wie eine kostenlose Nutte, nur weil sie Spaß am Sex mit mehreren unterschiedlichen Männern hat.
Also was ist die Konsequenz aus dieser Problematik? Kein Sex mehr ohne Gummi? Impfen lassen? Jedes Mal nen Test machen, wenn ein Gummi reißt, oder beim GB sich jemand nicht zügeln konnte, und seinen ungeschützten Schwanz einfach reingesteckt hat? Wo und wie soll ich so ein Verhalten anzeigen? Kann ich das überhaupt? Für uns Frauen ist es ja schon schwierig genug eine Vergewaltigung anzuzeigen.
Ja, wir werden immer mehr. Und das Raunen immer lauter. Jedoch so lange Männer in diesen Machtpositionen sitzen, Politik und Gesetze machen, so lange werden wir Frauen weiterhin um unsere Gesundheit besorgt sein, Tests machen, Angst vor dem Ergebnis haben, und uns weiterhin anstecken, weil wieder mal ein angeblich monogamer Freund aus Versehen ohne Gummi mit einer/zwei/fünf Frauen fremd gegangen ist, und uns vergessen hat darüber zu informieren.
Ja, ich bin wütend. Sehr sogar. Und ja, dieser Blog ist aus aktuellem Anlass. Und nein, ich möchte mit niemandem darüber reden. Ich wollte mir einfach nur Luft machen, sonst platze ich. Aber ich werde definitiv meine Konsequenz daraus ziehen. Ich wollte vorher schon keine Einzeldates. Mittlerweile hab ich fast keine Lust mehr auf Sex. Egal mit wem. Denn mal ganz ehrlich: so wie die Kerle sich verhalten, mich behandeln, und über mich reden, so haben sie es auch nicht verdient meinen Körper zu bekommen. Geschweige denn meine Gesundheit.
#ichbinmirwichtig
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