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Hedonismus im Bunker

Was ist Hedonismus eigentlich? Hedonismus (von altgriechisch hēdonḗ „Lust“, „Freude“) ist die philosophische und psychologische Lehre, die das Streben nach sinnlichem Genuss und Freude als das höchste Gut des Lebens betrachtet. Schmerz und Leid sollen hingegen strikt vermieden werden. Bedeutet also, man tut sich gegenseitig gut, ohne Ansprüche, ohne Druck und Zwang. Was für ein…

Was ist Hedonismus eigentlich? Hedonismus (von altgriechisch hēdonḗ „Lust“, „Freude“) ist die philosophische und psychologische Lehre, die das Streben nach sinnlichem Genuss und Freude als das höchste Gut des Lebens betrachtet. Schmerz und Leid sollen hingegen strikt vermieden werden.

Bedeutet also, man tut sich gegenseitig gut, ohne Ansprüche, ohne Druck und Zwang. Was für ein schöner Traum. Für Kunigunde wurde dieser Traum am Wochenende wahr. Sie traf sich mit einem Hedonisten, ohne genau zu wissen, wer und was er eigentlich ist.

Süsse, das ist total crazy. Warum machst Du immer so komische Kamikazisachen? Was ist, wenn Dir mal was passiert?“ Natürlich mache ich mir sorgen um sie. Sie ist meine Freundin. Meine Vertraute. Und jetzt sollte ich sie einfach so fast 200 km zu nem Wildfremden fahren lassen, den sie aus dem Internet kennt. „Habt ihr wenigstens schon mal telefoniert?“ Nein, aber ne schöne Stimme hat er. Klar, ne Voicemail. Das ist doch überhaupt nicht aussagekräftig. „Bist Du irre?“ Ich kann doch jederzeit wieder fahren. Er klang nett. Und ich bin neugierig. Vielleicht mach ich auch bei seinem Projekt mit.

Sie ist total aufgekratzt und freut sich voll. Wie kann ich da so erwachsen und vernünftig sein, und ihr das ausreden. Wer wäre ich? Bin ich eine schlechte Freundin, nur weil ich ihr das verbieten möchte? Sei doch vernünftig. Es gibt genug Kerle hier in der Umgebung. Nein, das ist ihr völlig egal. Der muss es sein. Es ist nicht mal ihr Beuteschema. Was will sie von ihm?

Und dann ist sie gefahren. Zwei Stunden lang habe ich nichts von ihr gehört. „Während der Fahrt telefoniere ich doch nicht“ ja, hat sie ja recht. „Bist du gut angekommen? Wie ist es?“ Am anderen Ende begeisterte Stimme: „Er hat mich mit einem Bagger abgeholt.“ Oh je, sie ist so leicht zu beeindrucken. Wie als wäre sie grad mal 12. Was stimmt mit dieser Frau nicht? So überhaupt nicht erwachsen und vernünftig. „Okay. Er hat nen Bagger. Ist er wenigstens nett?“

„Ja, total zurückhaltend. Das Gelände ist riesig. So viel Potential. So viele Ideen. Da ließe sich so endlos viel damit machen“ Mal wieder ist sie spontan begeistert. Sie ist so leicht entflammbar. Und dann, wenn sie merkt, dass sie wieder nur ausgenutzt wurde, als Sprungbrett missbraucht, dann fällt sie in das tiefe Loch, aus dem ich sie rausholen muss. Wird sie denn nie lernen?

Er hat zwei Hunde, die an ihr hochspringen und ein Haus und einen Bunker, wo schon die größten DJs aufgelegt haben. „Sieht ein bisschen heruntergekommen aus“ meint sie. „Und es läuft überall Techno“. Innerlich atme ich auf. Techno bei ner Metalqueen? Der Typ ist sowas von raus. Nur eine Frage der Zeit. Sie wird nicht sofort bei ihm einziehen, das Projekt ist unmöglich, der Besuch wird bald beendet sein.

Kunigunde mag kein Techno. Obwohl, früher mit Heike hat sie es gern gehört. Sie waren tanzen und feiern. Bis sie sich in Heike verliebt hat, und die lieber nen Kerl wollte. So ist es doch immer. Deshalb haben ihre Eltern ihr verboten lesbisch zu werden. Überall wummert der Bass. Die Theke vibriert, der Typ ist dreckig und in Latzhosen. Innerlich atmet sie durch: nicht anfassen. Nicht anflirten. Du hast eine Mission. Du willst mit ihm über das Projekt reden. Du brauchst ne Ausstiegsstrategie. Einen Plan B, wenn das Kino dich rauswirft.

Also lässt sie sich alles zeigen. Die Scheune, das Wohnhaus, die Hallen, es ist so unwahrscheinlich viel Platz. Man könnte ein ganzes Festival drauf bauen. Er hat sogar ein Wohnhaus mit Wohneinheiten. Bed and Breakfast, denkt sie nur. Und sofort spuckt ihr Hirn wilde Pläne und noch wilderes Kopfkino aus. Der Bunker ist kalt. Dreckig. Alles mit Arbeitszeug vollgestellt. Das bedeutet viel Arbeit. Wie will er das alles schaffen alleine?

Und da taucht Frank auf. Er wohnt jetzt auch da. Beziehungsweise zieht grad ein. In das große Wohnhaus. In dem nur das Bad wirklich wohnlich ist. Er hat sogar eine Eckbadewanne. Liebevoll verdreht sie die Augen. Den ganzen Tag sind sie unterwegs. Er redet ununterbrochen. Schwärmt von alten Zeiten mit seiner Ex und dem Bunker. Irgendwie fühlt sie sich seltsam. Eigentlich will sie nur noch nach Hause. Alles ist plötzlich zu viel.

Was soll sie hier? Er ist doch überhaupt nicht interessiert. Nicht an ihr, nicht an einer Zusammenarbeit. Er hat ja jetzt Frank. Sie setzen sich ins Wohnzimmer auf die Couch. Er redet über Hedonismus und Judentum. Schlau ist er ja. Hat viel erlebt. Und eigentlich will er den Bunker so gar nicht mehr betreiben. Wasn nu? Hü? Hott? Ja? Nein? Sie ist extrem verwirrt.

Auch dass er immer näher rutscht, bemerkt sie erst gar nicht. Kalt ist es geworden. „Soll ich den Ofen anmachen?“ Oh ja, was für eine schöne Idee. Er hat massig Holz hingelegt, das könnte echt gemütlich werden. „Aber ich bleib nur bis heute Abend“ merkt sie noch schüchtern an. „Warum? Bleib doch über Nacht“ bettelt er. Was soll ich da? Ich störe doch nur. „Ich übernachte nie wo anders“ sagt sie nur. Er greift mit der Hand in ihren Nacken, zieht sie zu sich ran, und küsst sie.

Nur diese eine kleine Geste. Schon tausendmal erlebt. Mehr oder weniger gewaltsam. Nichts Besonderes. Und trotzdem immer wieder neu. Und in seinem Fall unerwartet. Er sieht nicht, wie sie die Augen aufreißt und ihn anstarrt. Er genießt diesen einen Kuss. Seine Arme umschlingen sie, und nochmal drücken sich seine Lippen auf ihre. Und plötzlich wird die Welt still. Sie sieht nicht mehr die Klamotten auf dem Boden, die Tabakkrümel auf dem Tisch. Selbst das Technogewummer ist weg. Nur dieser Kuss. Seine Zunge, wie sie frech ihren Mund erkundet. Seine starken Arme, die sie festhalten.

„Hätte ich nie gedacht“ sagt sie mit einem leisen Lächeln. „Ich dachte, ich bin völlig uninteressant für ihn. Er kann andere haben. Hübschere, passigere.“ Oh meine kleine unsichere Kunigunde. Was haben Dir nur die Männer angetan, dass Dein Selbstwertgefühl so gelitten hat. Nach außen tut sie immer ganz stark und lässt sich als Göttin verehren. Aber ganz tief drin ist sie immer noch das kleine Mädchen das geliebt und festgehalten werden will.

„Irgendwie wird’s hier nicht richtig warm“ stellt sie stattdessen fest. „Du hast den Ofen ausgehen lassen“ lacht sie. „Normalerweise kann ich ganz toll Feuer machen“ Ja, hat man ja gesehen. Schon zum dritten Mal stapft er zum Ofen. „Ich wollte eh gleich los“ sagt sie und steht auf.

In dem Moment passiert etwas unerwartetes. Er schiebt seine Hände unter ihr Shirt. Sie wehrt sich nicht. Sie hatte doch noch gesehen, dass er so schrundige Hände hat. Nein, hatte sie gedacht, das mach ich nicht. Und jetzt? Wo waren ihre Vorsätze hin. Echt so billig? So einfach rumzukriegen? Ja, so billig. Wenn Mann die richtigen Knöpfe drückt, dann hat man bei ihr leichtes Spiel. Seine Finger geschickt und flink. Gleiten in ihre Hose. Er hat sie nichtmal berührt, da läuft ihr schon der Saft das Bein runtern. Oh nein, verdammt. Das muss aufhören. Denk an Angela Merkel. Zu spät. Es gefällt ihm, und er macht weiter.

Immer wieder lässt er sie so kommen, und sie sabbert den Boden und ihre Jeans ein. Verdammt nochmal. Aber mittlerweile brennt wenigstens das Feuer. „Komm, ich lass uns ne Wanne ein“ Welch verführerisches Angebot. Sie sieht auf die Uhr. Ja, ein wenig Zeit ist noch. Für ne Stunde oder so, geht das okay.

Sie ziehen sich beide aus, steigen in die Wanne. Er ist nicht spärlich mit dem Badeschaum. Was sich als ungünstig herausstellt, weil das Ding ne Whirlpool-Funktion hat. Der Schaum waberte bis in den Flur. Ihn störte das wenig. Joint? „Nee, Du ich hab seit Jahren nicht gekifft“ versucht sie sich noch rauszureden. Aber der Dübel brennt schon, und so sitzen sie in der Wanne und er hat einen Laberflash nach dem anderen.

Sie hört zu und hat einen Lachflash nach dem anderen. Es ist wunderschön. Fuck, was tust du da, denkt sie. So kannst du nicht nach Hause fahren. Und morgen muss sie arbeiten. Als sie aus der Wanne raus aufm Klo sitzt, wird ihr klar, was sie da angerichtet hat. Nun muß sie hier bleiben. Sie merkt, wie die Wanne sie geil gemacht hat. Sie wollte da schon an ihm rumfummeln. Aber er hatte nicht den Anschrein erregt, ähnlich geil zu sein wie sie.

„Bett?“ ja, super Idee. Sie hatten das Bett nicht mal berührt, als er über sie herfiel. Flinke, geschickte Finger pellten sie aus dem Handtuch. Fuhren die Schamlippen entlang. Sie stöhnte auf. Er fingerte sie nicht einfach. Er spielte. Erforschte jeden Winkel ihres Körpers. Stundenlang. Ohne sie auch nur einmal ficken zu wollen. Er befriedigte sie auf tausende unterschiedliche Arten. Und sie kam und kam. Als er sich eine Kippe anzündete, atmeten sie auf. Sie drehte sich auf den Rücken, und plötzlich spürte sie seine Hände überall. Er lag neben ihr, versteht mich nicht falsch. Er berührte sie nichtmal. Und trotzdem hatte sie den heftigsten Flashback aller Zeiten. Sie hatte einen Orgasmus, einfach nur, durch die Erinnerung. So heftig, dass sie zuckend neben ihm lag, betreten guckte, und sich fragte wie das sein kann.

„Die ganze Nacht?“ oh jaaaaaa, die ganze Nacht. „Hattet ihr keinen Sex?“ Doch er hat mal kurz drin gesteckt. Aber irgendwie war das nicht wichtig. Es war so wunderschön. Und ich war so dankbar und erfüllt und gierig. Und er hörte nicht auf. Ich hab mich garnicht geschämt. Es war völlig normal. Ich glaube, er hat es auch genossen.

Na meine Liebe, das war ja ne heftige Nacht. Und wie war es morgends? Ernüchternd. Er schlief. Wie ein Dieb hab ich mich davongeschlicht. Und jetzt? Wirst Du ihn wiedersehen? Ja, wenn er es will. Gestern hat er so geklungen. Aber was weiß ich schon. Er ist Hedonist. Vielleicht passe ich da garnicht ins System. Außerdem: ich hab doch hier ein Leben. Mit Katzen, ner Wohnung, nem Job. Ich bin zu alt für Neuanfang. Außerdem hab ich mit ihm gefickt. Das sind ganz schlechte Voraussetzungen für nen Job.

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